Agiles Mindset: Warum Anpassungsfähigkeit heute wichtiger ist als perfekte Planung

Agiles Mindset in der modernen Arbeitswelt
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Agile Methoden sind längst mehr als ein Trend und werden für viele Unternehmen zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Doch was bedeutet ein agiles Mindset eigentlich in der Praxis? Welche Rolle spielen Kommunikation, Führung und Veränderungsbereitschaft? Darüber haben wir mit Andreas Sturm, Senior Consultant bei ALTEN Germany gesprochen.
Was verstehst du persönlich unter dem Begriff „Agile Mindset“?
Grundsätzlich würde ich sagen, dass es eine Haltung ist, also die Art und Weise, wie wir mit Dingen umgehen. Es beschreibt, wie wir auf Einflüsse reagieren und mit Veränderungen umgehen.
Agil bedeutet für mich vor allem beweglich, flexibel und nicht starr zu sein. Bildlich gesprochen erinnert mich das an einen Border Collie auf einem Hundeübungsplatz: aufmerksam, reaktionsschnell und jederzeit bereit, sich auf neue Situationen einzustellen.
In welchen Bereichen der heutigen Arbeitswelt ist ein agiles Mindset besonders relevant?
Pauschal würde ich sagen: in allen Bereichen. Veränderungen erreichen uns heute überall, allerdings nicht immer auf dieselbe Art und Weise.
Für mich steht dabei im Mittelpunkt, dass Menschen einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und dass die Ergebnisse tatsächlich genutzt werden. Aus meiner Erfahrung gibt es kaum etwas Frustrierenderes, als wochen- oder monatelang in eine Aufgabe zu investieren und anschließend festzustellen, dass das Ergebnis im Papierkorb landet.
Was sind aus deiner Erfahrung die häufigsten Missverständnisse über Agilität?
Das größte Missverständnis ist, dass agile Teams angeblich nicht planen. Ein weiteres ist die Annahme, dass jederzeit alles verändert werden kann und ständig neue Prioritäten gesetzt werden müssen.
Beides stimmt nicht. Agile Arbeitsweisen sollen Mehrwert schaffen und gleichzeitig verlässliche Ergebnisse liefern. Ohne Planung funktioniert das nicht. Ebenso wenig hilft es, laufend alle Tätigkeiten über den Haufen zu werfen. Die Folge wäre häufig, dass nichts fertig wird oder ständig zwischen Themen gewechselt werden muss, was für Teams sehr belastend sein kann.
Wie kann ein Unternehmen oder ein Team konkret ein agiles Mindset entwickeln und fördern?
Kommunikation ist der wichtigste Hebel. Oft sehe ich, dass Menschen in Veränderungen hineingedrängt werden, ohne regelmäßig nachzufragen, wie es ihnen dabei geht. Wer noch keine Berührungspunkte mit agilen Arbeitsweisen hatte, erlebt eine solche Umstellung oft als große Veränderung.
Deshalb können viele Prinzipien des Change Managements helfen. Menschen müssen verstehen, warum eine Veränderung notwendig ist und welchen Nutzen sie hat. Wenn das gelingt und die Veränderung Sinn ergibt, steigt auch die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.
Welche Herausforderungen begegnen dir in der Praxis bei der Umsetzung agiler Methoden?
Veränderungen werden häufig als Bedrohung wahrgenommen. Manche Menschen reagieren mit Ablehnung, andere stellen sich quer oder arbeiten sogar aktiv dagegen.
Das ist letztlich verständlich, denn jede neue Arbeitsweise verändert Gewohnheiten und bestehende Strukturen. Deshalb braucht es vor allem Geduld, viele Gespräche und ausreichend Zeit. Wer diese Zeit nicht investiert, wird es schwer haben, eine nachhaltige Veränderung zu etablieren.
Wie verändert sich Führung in einem agilen Umfeld im Vergleich zu traditionellen Strukturen?
Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Gerade Kolleginnen und Kollegen, die bislang wenig Berührung mit agilen Arbeitsweisen hatten, orientieren sich stark an dem, was Führungskräfte vorleben. Deshalb sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Kommunikation besonders wichtig.
Gleichzeitig lebt agile Arbeit von gegenseitigem Vertrauen. Wenn dieses Vertrauen vorhanden ist, können Probleme, Herausforderungen und Verbesserungsvorschläge offen angesprochen werden.
Hinzu kommt, dass agile Teams häufig cross-funktional arbeiten. Das bedeutet, dass Menschen immer wieder mit neuen Themen in Berührung kommen und sich neues Wissen aneignen müssen. Führung bedeutet dann auch, den Raum und die Zeit für Lernen und Weiterentwicklung zu schaffen.
Welche Kompetenzen werden in Zukunft besonders wichtig sein, um in einer agilen Arbeitswelt erfolgreich zu sein?
Für mich ist eine der wichtigsten Fähigkeiten die Selektion. Die Welt wird immer schneller und ständig entstehen neue Trends, Methoden und Technologien. Deshalb müssen wir lernen zu unterscheiden, was wirklich relevant und nachhaltig ist und was lediglich ein kurzfristiger Hype bleibt.
Gleichzeitig braucht es Offenheit und Neugier. Veränderung wird uns dauerhaft begleiten. Das bedeutet aber nicht, alles Bestehende über Bord zu werfen. Vielmehr geht es darum, kontinuierlich zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Ich bin überzeugt: Stetige Veränderung ist das Einzige, das dauerhaft bleibt.
Welche Empfehlungen würdest du jungen Talenten geben, die sich in Richtung agile Arbeitswelt entwickeln möchten?
Seid neugierig und offen für Veränderungen. Außerdem halte ich es für wichtig, die eigene Persönlichkeit von der eigenen Leistung zu trennen. Feedback und Kritik sind keine Angriffe, sondern Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.
Oft erkennen andere Menschen Potenziale in uns, die wir selbst noch nicht sehen. Deshalb sollte man aktiv nach Feedback fragen und die Antworten nutzen, um neue Möglichkeiten für die eigene Entwicklung zu entdecken. Ich sage häufig: „Mit dem Mund kannst du nur wiedergeben, was du bereits weißt. Mit den Ohren hörst du das, was du noch nicht weißt.“
Wenn du einem angehenden Agile Practitioner nur einen einzigen Tipp mitgeben könntest, welcher wäre das?
Sei geduldig. Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Teams entwickeln sich Schritt für Schritt und Menschen brauchen Zeit, um neue Denk- und Arbeitsweisen anzunehmen.
Gerade in cross-funktionalen Teams treffen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Arbeitsweisen aufeinander. Diese Vielfalt erfolgreich zusammenzubringen, braucht Geduld, Kommunikation und Verständnis.
Denn nur wenn Menschen den Sinn einer Veränderung verstehen, werden sie bereit sein, aktiv daran mitzuwirken.
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