Automatisierung in der Automobilindustrie: Wie Tests und Entwicklung durch KI und digitale Prozesse revolutioniert werden

Interview mit Matthias Woznik, Projektleiter bei in-motion
In der Automobilindustrie vollzieht sich ein grundlegender Umbruch: Was einst durch manuelle Tests und langwierige Entwicklungsprozesse geprägt war, wird heute von intelligenter Automatisierung bestimmt. Matthias Woznik, Projektleiter bei in-motion, gibt Einblicke in diese Veränderung und zeigt auf, wie moderne Technologien die Art und Weise, wie wir Fahrzeuge entwickeln und testen, von Grund auf neu definieren.
Automatisierung ist derzeit einer der wichtigsten Treiber der Transformation in der Automobilindustrie. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf dein Umfeld aus, und wo siehst du heute die größten Veränderungen im Vergleich zu früher?
In den vergangenen Jahren beobachten wir, dass sich unsere operative Tätigkeit zunehmend vom manuellen Testen hin zur Automatisierung entwickelt. Der Hauptgrund dafür ist, dass wir mit rein manuellen Prozessen den heutigen Entwicklungszyklen nicht mehr folgen können.
Insbesondere in der Softwareentwicklung entstehen in kurzer Zeit zahlreiche neue Versionen, Konfigurationen und Funktionen. Gleichzeitig haben die Funktionalitäten in modernen Fahrzeugen stark zugenommen. Früher waren bestimmte Komfortfunktionen noch etwas Besonderes. Heute erwarten Nutzer hochgradig individualisierbare Systeme, die sich flexibel an ihre Bedürfnisse anpassen.
Automatisierung hilft uns sowohl bei der Strukturierung als auch bei der Durchführung von Tests. Statt einzelne Prüfschritte manuell auszuführen, können automatisierte Systeme umfangreiche Testszenarien über Nacht oder sogar rund um die Uhr durchführen. Das erhöht die Effizienz erheblich und verbessert gleichzeitig die Testabdeckung.
Die Komplexität moderner Fahrzeugsoftware nimmt stetig zu. Warum ist Automatisierung inzwischen ein entscheidender Erfolgsfaktor in euren Projekten geworden?
Das liegt vor allem daran, dass sich der Fokus zunehmend in Richtung Software verschoben hat. Moderne Steuergeräte enthalten heute deutlich mehr Software als früher, und neue Updates erscheinen in wesentlich kürzeren Abständen.
Jede neue Softwareversion muss abgesichert werden. Früher wurden viele dieser Aufgaben manuell durchgeführt. Um heute jedoch die notwendige Testtiefe zu erreichen, sind automatisierte Verfahren unverzichtbar.
Automatisierungen können rund um die Uhr laufen und kontinuierlich nach Fehlern, Auffälligkeiten und Problemen suchen. Dadurch erreichen wir eine Qualität und Geschwindigkeit, die manuell kaum noch realisierbar wäre.
Automatisierte Entwicklungs- und Testprozesse sind heute kaum noch wegzudenken. Wo liegen dabei die größten Herausforderungen oder Gefahrenquellen, insbesondere im Hinblick auf Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit?
Das ist tatsächlich die Vertrauensfrage, die wir uns selbst regelmäßig stellen. Unser Kerngeschäft besteht darin, Fahrzeugsoftware abzusichern. Wenn wir jedoch eine Automatisierung entwickeln, dann handelt es sich ebenfalls um Software und auch diese kann Fehler enthalten.
Deshalb müssen unsere Automatisierungslösungen die gleichen Qualitäts- und Absicherungsprozesse durchlaufen wie die Produkte, die wir testen. Sie werden kritisch geprüft, validiert und verschiedenen Testzyklen unterzogen.
Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Prozesse können wir den Ergebnissen vertrauen. Auch Automatisierungslösungen werden vor dem produktiven Einsatz umfassend getestet.
Wichtig ist dabei, nicht vorschnell zu handeln. Erste gute Ergebnisse sind noch kein Ersatz für eine gründliche Validierung. Automatisierung schafft nur dann Mehrwert, wenn sie selbst zuverlässig abgesichert ist.
Wenn wir dieses Gespräch in fünf Jahren noch einmal führen würden, was würde uns bei Software-Defined Vehicles und der Automatisierung vermutlich am meisten überraschen?
Der Blick in die Zukunft gehört natürlich zu unserem Alltag. Einige Entwicklungen zeichnen sich bereits heute sehr deutlich ab. Die Funktionsentwicklung wird weiterhin in kurzen Zyklen stattfinden und das Nutzererlebnis im Fahrzeug stetig verbessern. Gleichzeitig werden die Systeme immer vielfältiger. Moderne Fahrzeuge bestehen längst nicht mehr nur aus Antrieb, Bremse und Lenkung. Bereiche wie Fahrerassistenz, Infotainment und digitale Dienste gewinnen kontinuierlich an Bedeutung.
Nutzer erwarten heute, dass viele Funktionen, die sie von Smartphones kennen, auch im Fahrzeug verfügbar sind. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Zahl der Funktionsketten, Abhängigkeiten und Konfigurationsmöglichkeiten wird weiter steigen.
Zudem werden digitale After-Sales-Angebote an Bedeutung gewinnen. Funktionen werden flexibel hinzugebucht oder bei Bedarf wieder deaktiviert. Entsprechend wird auch die Absicherung von Software nach dem Fahrzeugverkauf immer wichtiger. Gleichzeitig müssen wir enorme Datenmengen und komplexe Konfigurationsmatrizen beherrschen. Dabei werden KI-gestützte Prozesse zunehmend unterstützen, insbesondere bei Datenmanagement, Auswertungen und Governance-Themen.
Den Menschen sehe ich jedoch weiterhin als unverzichtbaren Bestandteil des Prozesses. Reviews, Qualitätskontrollen und die finale Bewertung von Ergebnissen werden auch künftig notwendig bleiben. KI wird uns unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen.
Andernfalls wäre es künftig kaum noch möglich, die erforderliche Menge an Tests manuell durchzuführen. Genau hier schließt sich der Kreis zur Bedeutung der Automatisierung.
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